Und nicht nur das: sie lesen das albanische Märchen in zwei Sprachen, nämlich albanisch-deutsch.

Doch zunächst zurück zum Projekt, das dieser Präsentation vorausging:

Frau Rauch fand ein albanisches Märchen, dass ich, die Klassenlehrerin der 2b so überarbeitete, dass wir ein Lesetraining mit den Zweitklässlern beginnen konnten. Mit großer Freude entwickelten die Kinder Bilder zum Märchen am Computer. Dies funktionierte wunderbar unter der Leitung von Frau Rauch. Beschwingt kamen die Kleingruppen jeweils aus dem Computerraum zurück. Eine besonders engagierte Gruppe durfte die Bilder animieren.

Währenddessen übersetzte die albanischstämmige Schülerin Erina Jusaj mit Hilfe von Frau Badalli das Märchen ins albanische und übte dann diesen Text gut betont vorzulesen.

Im ganzen Klassenzimmer brach ein Lesefieber aus: Wer würde bei der Präsentation am 18.6.15 die deutschen Texte lesen?

Die Kinder lasen und lasen. Die Erwachsenen wählten irgendwann aus. Ab da war die am häufigsten gestellte Frage der ausgewählten „Lesekinder“ :

„Dürfen wir heute draußen üben?“ Und oft taten sie das. Sie lasen vor den Schautafeln, auf der Bühne, auf der Treppe sitzend. Übten Lautstärke, deutliche Aussprache, gute Betonung und nicht zuletzt, sich beim Lesen von nichts und niemand beeindrucken zu lassen, einfach weiterzulesen trotz schreiender Kinder oder sonstiger Unwägbarkeiten.

Der nächste Schritt: am Montag vor der Lesung besuchten wir die Nachbarklasse, die 4b um uns dort schon einmal auszuprobieren. Auf die Frage an die Schüler, wie ihnen die Präsentation gefallen hätte, war die häufigste Antwort:

„Ich finde es mutig, dass die Zweitklässler vor Viertklässlern gelesen haben“. Aha, dachte ich, wieder was gelernt aus der Kinderperspektive.

Dann der entscheidende Tag.

Schon am Morgen Gäste im Klassenzimmer. Albanische Kinder aus Nachbarklassen und Schüler aus der nachmittäglichen Sprachförderung werden uns begleiteten.

Endlich geht es los!

Kaum haben wir die Brücke über die Schnellstraße hinter uns, ziehen die Kinder ihre Texte heraus und lesen laut. Alle durcheinander. Ich drehe mich um und muss lauthals loslachen. Da lesen die Kinder noch lauter. Letzte Gelegenheit zum Üben. Ich betrachte alles. Sauseschritt, grüne Wiesen mit hochstehenden Blumen, Bäume und der Klang der deutschen und der albanischen Sprache, das alles ergibt eine fröhliche, eine heitere Gesamtkomposition. So ziehen wir mit den Lesekindern in die Bücherei ein. Das übliche folgt. Mikro am Ständer geht nicht. Also lösen, den Kindern in die Hand drücken, wie geübt. Nach kürzester Zeit versagt das Mikro, hat Wackelkontakt. Zum Glück, wie sich später herausstellt. Denn die Kinder, aufgeregt wie sie es seit zwei Tagen sind, stehen wie eine Eins. Sie stehen und lesen laut, klar betont. Wörtliche Rede deutlich erkennbar an der Lebendigkeit des Ausdrucks.

„War doch gar nicht so schwer“, sagt Nihed am Ende.

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